The(G)net Review: Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2
Mit Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 bringt Konami zwei wichtige Kapitel der legendären Stealth Reihe zurück auf aktuelle Hardware. Vor allem die Rückkehr von Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots ist bemerkenswert, denn der Titel war bislang fest an die PlayStation 3 gebunden. Dazu gesellt sich mit Peace Walker einer der spielerisch interessantesten Ableger der Serie. Doch wie gut funktionieren die beiden Klassiker heute noch und reicht eine technisch aufbereitete Neuauflage aus, um modernen Ansprüchen gerecht zu werden?

Es gibt Spiele, die verschwinden irgendwann einfach. Nicht weil sie schlecht wären, sondern weil sie auf einer bestimmten Hardware gefangen bleiben. Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots war über viele Jahre genau so ein Fall. Wer Snakes grosse Abschiedsmission noch einmal erleben wollte, brauchte zwingend eine funktionierende PlayStation 3. Mit Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 ändert sich das endlich. Gerade für langjährige Fans ist das ein grosses Ereignis. Gleichzeitig zeigt die Sammlung aber auch gnadenlos, wie unterschiedlich Videospiele altern können.

Ganz klar: Für mich ist Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots der eigentliche Star dieser Sammlung. 18 Jahre sind seit der ursprünglichen Veröffentlichung vergangen und trotzdem dauerte es nur wenige Minuten, bis dieses ganz spezielle Metal Gear Gefühl wieder da war. Die ruhige Inszenierung. Die langen Gespräche. Die beinahe schon absurd ausufernden Zwischensequenzen. Kojimas unverkennbare Mischung aus Militär Thriller, Science Fiction, Philosophie und komplettem Wahnsinn. Ja, Metal Gear Solid 4 stammt aus einer anderen Timeline. Das Spiel nimmt sich Zeit. Sehr viel Zeit. Für manche Spieler dürfte das heute ungewohnt sein. Für mich besitzt genau diese Art von Spieldesign aber nach wie vor einen enormen Reiz.

Technisch darf man natürlich kein modernes Remake erwarten. Texturen, Umgebungen und einige Animationen verraten deutlich, dass Guns of the Patriots ursprünglich 2008 erschienen ist. Trotzdem funktioniert das Gesamtbild immernoch sehr gut. Besonders Snake, die zahlreichen Charaktermodelle und natürlich die Metal Gears können sich noch immer sehen lassen. Viel wichtiger ist aber, dass MGS4 nun endlich sauber auf aktueller Hardware läuft. Und das ist keineswegs selbstverständlich. Die PlayStation 3 war mit ihrer ungewöhnlichen Cell Architektur berüchtigt dafür, Entwicklern das Leben schwer zu machen. Dass ein technisch derart speziell entwickeltes Spiel jetzt problemlos auf modernen Systemen läuft, ist deshalb durchaus bemerkenswert.

Peace Walker bekommt den härteren Realitätsschock. Während Guns of the Patriots erstaunlich würdevoll gealtert ist, bekommt Peace Walker deutlich mehr Falten ab. Das liegt weniger am Spiel selbst als an seiner Herkunft. Peace Walker erschien ursprünglich für die PSP und wurde entsprechend für einen kleinen Handheld Bildschirm mit niedriger Auflösung entwickelt. Auf einem modernen grossen 4K OLED-Fernseher lässt sich das natürlich nicht verstecken. Texturen wirken verwaschen, Charaktermodelle simpel und manche Umgebung erinnert sofort daran, wie begrenzt die Hardware damals war. Aber dann beginnt man zu spielen. Und plötzlich wird klar, warum Peace Walker bis heute zu den interessantesten Teilen der Serie gehört.

Die Missionsstruktur funktioniert hervorragend, der Ausbau der eigenen Basis motiviert und zahlreiche Ideen wurden später in Metal Gear Solid V weiterentwickelt. Besonders spannend war damals natürlich auch die Möglichkeit, Missionen gemeinsam zu spielen. Peace Walker sieht zwar alt aus, spielt sich aber noch immer verdammt gut. Und am Ende ist mir genau das deutlich wichtiger.

Gerade der direkte Vergleich der beiden Spiele macht die Master Collection Vol. 2 so interessant. Metal Gear Solid 4 war ein gigantisches Prestigeprojekt für die PlayStation 3. Ein Spiel, das technisch und inszenatorisch zeigen wollte, was damals möglich war. Peace Walker musste dagegen mit den erheblichen Einschränkungen eines Handhelds zurechtkommen. Heute treffen beide Titel auf derselben Plattform wieder aufeinander. Und genau dadurch bekommt man einen faszinierenden Blick darauf, wie unterschiedlich Spiele derselben Ära entwickelt wurden.

Natürlich lässt sich schnell sagen, dass Konami hier einfach alte Spiele noch einmal verkauft. Und grundsätzlich stimmt das sogar. Trotzdem greift diese Kritik meiner Meinung nach zu kurz. Gerade Metal Gear Solid 4 zeigt das Problem moderner Spielearchivierung ziemlich deutlich. Deshalb sind Sammlungen wie diese wichtig. Sie sorgen dafür, dass bedeutende Titel nicht gemeinsam mit ihrer ursprünglichen Hardware verschwinden. Und Metal Gear Solid 4 hat es definitiv verdient, erhalten zu bleiben.

Als nette Dreingabe ist in der Sammlung auch Metal Gear Ghost Babel enthalten. Der ursprünglich für den Game Boy Color veröffentlichte Ableger erzählt eine eigenständige Geschichte abseits der Hauptreihe. Natürlich wirken Grafik und Präsentation heute entsprechend simpel, doch Stealth Mechaniken, Leveldesign und Atmosphäre funktionieren noch immer überraschend gut. Eine nostalgische Zugabe und zugleich ein schönes Stück Metal Gear Geschichte.
Fazit:
Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 ist vor allem eines: eine längst überfällige Rückkehr. Das Spiel endlich wieder auf aktueller Hardware spielen zu können, fühlt sich für mich wie das Öffnen einer alten Zeitkapsel an. MGS4 ist nicht perfekt gealtert, besitzt aber noch immer eine Atmosphäre und Inszenierung, die selbst heute beeindruckt und einzigartig wirkt. Peace Walker hat optisch deutlich stärker gelitten, zeigt dafür aber eindrucksvoll, dass gutes Spieldesign wesentlich wichtiger ist als Grafik. Für Metal Gear Fans ist Vol. 2 deshalb weniger eine einfache Neuauflage als vielmehr die längst überfällige Rückkehr zweier zentraler Kapitel aus Snakes Geschichte. Interessant dürfte sein, wie jüngere Spieler auf diese beiden Spiele reagieren. Metal Gear Solid 4 verlangt Aufmerksamkeit. Sehr viel Aufmerksamkeit. Dialoge können minutenlang dauern, Zwischensequenzen teilweise noch länger und die Handlung setzt voraus, dass man zumindest grundlegende Kenntnisse der bisherigen Serie besitzt. Peace Walker verlangt wiederum Geduld und kämpft mit seiner inzwischen deutlich betagten Präsentation. Wer hauptsächlich modernes Spieldesign gewohnt ist, dürfte deshalb zunächst einen kleinen Kulturschock erleben. Wer sich darauf einlässt, entdeckt allerdings zwei Spiele, die zeigen, warum Metal Gear Solid über Jahrzehnte einen derart grossen Einfluss auf die Videospielgeschichte hatte.

Die Metal Gear Solid: Master Collection Vol. 2 ist für PC, PS5, XBOX Series X|S, Switch und Switch 2 erschienen. Wir haben das Spiel auf dem PC getestet. Das Test-Muster stammt von Konami, wofür wir uns herzlich bedanken!








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